Reportage Namibia. Durch die Augen des Geparden by Poser Fabian von

Reportage Namibia. Durch die Augen des Geparden by Poser Fabian von

Author:Poser, Fabian von [Poser, Fabian von]
Language: de
Format: mobi
Publisher: Picus Verlag
Published: 2011-11-06T16:00:00+00:00


Bilderbuch der Steinzeit

Der Brandberg ist ein Spiegel der Evolutionsgeschichte. Und er birgt einen unermesslichen Kulturschatz – Zehntausende prähistorische Felsmalereien

Die Krempe seines Sonnenhuts tief ins Gesicht gezogen, das schweißgetränkte Hemd weit aufgeknöpft, lehnt Joe Walter im Schatten eines Felsvorsprungs. Noch einmal setzt er den Wasserkanister zum Trinken an. Dann drängt er zum Aufbruch. »Wir müssen weiter«, sagt der Siebzigjährige, wendet den Blick auf die Geröllhalde vor uns und trottet los. Nur noch das monotone Schaben der Wanderstiefel auf den Granitplatten ist jetzt zu hören, Köcherbäume stehen am Wegesrand Spalier, Insekten sirren davon. Die Bäume in der Ebene werden immer winziger, verschwimmen am Horizont. Auch wir werden in diesem menschenleeren Universum aus Stein nach und nach kleiner. Wir schrumpfen. Um uns herum türmen sich riesige Felsen aus Granit, ein Spielplatz der Zyklopen: Elefantenrücken, überdimensionale Straußeneier und Dämonenköpfe. Grell leuchten sie im Morgenlicht.

Acht Stunden Fußmarsch durch unwegsames Gelände haben wir vor uns, um von der Namib auf das Brandbergplateau zu gelangen. Tausendsiebenhundert Meter Höhenunterschied – in der glühenden Hitze ein Martyrium. Aber jeder, der mit Joe Walter auf Expedition geht, weiß, was ihn erwartet: Schlafen unter freiem Himmel, trinken aus versteckten Wasserlöchern und zermürbende Fußmärsche. Auf den höchsten Berg Namibias zu steigen gleicht für einen Normalsterblichen einem Selbstmordkommando – zu wenig Wasser, zu heiß, wilde Tiere. Wer sich in Namibia fortbewegt, der fährt für gewöhnlich im Allrad-Fahrzeug und geht nicht zu Fuß. Doch nicht mit Joe Walter. Der kennt jedes auch noch so versteckte Wasserloch, kann sie alle aufzählen, die lateinischen, deutschen und englischen Namen der Pflanzen und Tiere, die in dieser bizarren Welt ihr Auskommen fristen. Er kennt sie alle, die Gefahren und Unwegsamkeiten, die hier lauern.

Der erste Eindruck, den ich auf dieser Reise zum Brandberg gewann, war gewiss kein trockener. Drei Tage zuvor hatten wir in Windhoek gemeinsam mit Joe und den anderen in der sechsköpfigen Expeditionsgruppe die Autos mit Proviant für fünf Tage vollgestopft. Mit Haferflocken, Müsliriegeln und Astronautennahrung. Mit »Windhoek Lager«-Bier und Rotwein. Und mit Whisky. »Für Notfälle«, hatte Joe Walter gesagt. In seinem geräumigen Haus im Windhoeker Vorort Ludwigsdorf hatten wir die Schlafmatten eingerollt, die Essensvorräte aufgefüllt, Gaskocher und Kochgeschirr eingepackt. Dann waren wir aufgebrochen. Schon die Fahrt zum Brandberg ist ein kleines Abenteuer: Bereits wenige Kilometer hinter der namibischen Hauptstadt beginnt die große Einsamkeit. Endlos lange Wildzäune zeichnen den Verlauf der Straße auf Kilometer voraus, nur selten taucht zwischen den dichten Sträuchern eine Farm auf. Bei Omaruru, etwa dreieinhalb Fahrtstunden von Windhoek entfernt, geht das Farmland allmählich in Wüste über: Ab hier regiert die Namib. Kilometer um Kilometer holpert der Wagen über die staubige Piste, bis am Horizont die goldene Silhouette des Brandbergs auftaucht. Hundertzweiunddreißig Millionen Jahre ist es her, dass heißer Granit aus dem Erdinneren hier nach oben drang. Die Magma erkaltete zweitausend Meter unter der Oberfläche. Mehr als hundert Millionen Jahre lang wurde das weiche Gestein abgetragen, und der harte Granit blieb stehen. Heute ist der Brandberg mehr als zweieinhalbtausend Meter hoch. Die umliegende Wüste überragt er um beinahe zweitausend Meter.

Gemeinsam mit Joe Walter sind



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